Hast du eigentlich jemals innegehalten, um zu würdigen, wie wunderbar der gregorianische Kalender ist, den wir heute weltweit verwenden? Um genüsslich über seine vielen Vorzüge nachzudenken? Zum Beispiel darüber, dass jedes neue Jahr mitten im Winter beginnt, jeder Monat aus wunderbaren viereinhalb? Nein, vier und einem Drittel Wochen besteht und Datumsangaben wie der 1., 15. oder 31. jedes Jahr höflich auf einen anderen Wochentag wandern, damit wir uns bloß nie zu sehr daran gewöhnen.

Nein?

Vielleicht bist du einfach zu verzaubert von unserem eleganten System, mit dem wir uns die Monatslängen merken: Im Jänner mit 31 Tagen anfangen und dann zwischen 30 und 31 wechseln. Abgesehen davon, dass Juli und August aus natürlich keineswegs willkürlichen Gründen beide 31 Tage haben. Und vom Februar mit seinen 28 Tagen. Meistens.

Aber sicher schätzt du die Bequemlichkeit von Feiertagen, die als „vierter Donnerstag eines Monats“ definiert sind. Oder Ostern, das bekanntermaßen leicht zu finden ist: am ersten Sonntag nach dem ersten Vollmond nach der Frühlings-Tagundnachtgleiche. Dadurch kann Ostern irgendwann zwischen dem 22. März und dem 25. April liegen, abhängig von Astronomie und Regeln, die im 4. Jahrhundert vereinheitlicht und später wegen der Kalenderabweichung erneut angepasst wurden. Mit anderen Worten: völlig intuitiv. Wenigstens Halloween und Weihnachten sind leicht zu finden. Wahrscheinlich hast du eher Folgendes gedacht:

„Warum tun die uns das an?“
„Haben die sich absichtlich blöd angestellt?“ (Spoiler: ein bisschen schon.) „Und
wer sind überhaupt ‚die‘?“

Beantworten wir zuerst diese Fragen.

Wie konnte es dazu kommen?

Unser heutiger Kalender wurde nicht vernünftig und praxisnah entworfen. Er entstand durch eine ganze Reihe von Flickarbeiten. Die frühen Römer benutzten etwas, das sich lose an Mondzyklen und politischer Zweckmäßigkeit orientierte. Anfangs enthielt ihr Kalender nicht einmal Jänner und Februar. Diese beiden Wintermonate ließen sie einfach außerhalb des Systems. Das Jahr begann im März, was fairerweise eine der wenigen Entscheidungen in dieser Geschichte ist, die tatsächlich Sinn ergibt. Der Frühling beginnt, es wird wärmer, die Tage werden länger und das Leben kehrt zurück. Wollte man einen Jahresanfang festlegen, wäre das doch die naheliegende Wahl. Unsere heutigen Monatsnamen spiegeln diese ursprüngliche Ordnung noch wider:

  • September war der siebte Monat.
  • Oktober war der achte.
  • November war der neunte.
  • Dezember war der zehnte.

Als Jänner und Februar später hinzugefügt wurden, rückten die bisherigen Monate um zwei Plätze nach hinten. Und wir behielten einfach ... ihre Namen, obwohl sie nicht mehr stimmten. Auch sonst war das System chaotisch. Die Monate waren unterschiedlich lang und das Jahr entsprach nicht genau dem Sonnenjahr. Dadurch verschob sich der Kalender. Um das auszugleichen, fügten die Verantwortlichen gelegentlich zusätzliche Tage oder sogar ganze Monate ein. Praktischerweise waren diese Verantwortlichen Politiker, die das System missbrauchten, um Amtszeiten zu verlängern oder Fristen zu manipulieren. Absichtliche Blödheit also.

Irgendwann war der Kalender so weit von den Jahreszeiten abgedriftet, dass man handeln musste. Auftritt Julius Caesar: Er führte 45 v. Chr. den julianischen Kalender ein. Das war ein großer Fortschritt, ein Sonnenkalender mit 365 Tagen und alle vier Jahre einem Schalttag. Endlich so etwas wie Struktur. Nur gab es weiterhin ein Problem: Das Kalenderjahr war rund elf Minuten zu lang. Das klingt nach wenig, summiert sich über Jahrhunderte aber ordentlich. Im 16. Jahrhundert lag der Kalender etwa zehn Tage neben den Jahreszeiten. Das war besonders für christliche Feiertage problematisch, vor allem für Ostern, da sie an jahreszeitliche und astronomische Ereignisse gebunden waren. Also führte Papst Gregor XIII. 1582 den gregorianischen Kalender ein. Wie beseitigte man die Verschiebung? Ganz einfach:

  • Zehn Tage überspringen, damit Kalender und Tagundnachtgleiche wieder übereinstimmen.
  • Die Schaltjahrregel ändern: Volle Jahrhundertjahre sind keine Schaltjahre, außer sie sind durch 400 teilbar.

Die zehn ausgelassenen Tage waren eine einmalige Korrektur. Die neue Schaltjahrregel verringerte die anschließende Abweichung erheblich. Genau dieses System verwenden wir noch heute. Was wir haben, ist also kein sauber entworfener Kalender, sondern ein Kompromiss aus römischer Politik, astronomischen Korrekturen, religiösen Anforderungen und nachträglichen Reparaturen. Alles übereinandergestapelt und nie ordentlich aufgeräumt.

Gut, der Kalender ist Mist. Warum ersetzen wir ihn nicht?

Versucht hat man das durchaus. Der wohl ernsthafteste Versuch eines klaren, vernünftigen Systems ist der Internationale Ewige Kalender, der International Fixed Calendar (IFC). Seine Grundideen sind verblüffend einfach:

Internationaler Ewiger Kalender

  • Das Jahr hat 13 Monate.
  • Der zusätzliche Monat Sol liegt zwischen Juni und Juli.
  • Jeder Monat hat genau 28 Tage, also exakt vier Wochen.
  • Jedes Datum fällt jedes Jahr auf denselben Wochentag.

Man muss nie wieder überlegen, auf welchen Wochentag ein Datum fällt, die Monate sind gleich lang, und Quartale lassen sich ordentlich in jeweils 13 Wochen teilen. Diese Regelmäßigkeit wirkt fast verdächtig, vor allem wenn man als Amerikaner gewohnt ist, Entfernungen in zwölf Zoll pro Fuß und 5.280 Fuß pro Meile zu messen. Das Ganze erinnert eher an das metrische System.

Ein paar Schwierigkeiten lassen sich allerdings nicht vermeiden. Die Erde braucht für einen Umlauf um die Sonne ungefähr 365,2422 Tage, also nicht einmal eine ganzzahlige Tagesmenge. Beim IFC ergeben 13 × 28 gerade einmal 364 Tage. Deshalb brauchen wir am Jahresende einen zusätzlichen „Jahrestag“ und weiterhin Schalttage, um den Rest auszugleichen, der sich über vier Jahre ansammelt (4 × 0,2422 ≈ 1 Tag). Der Jahrestag und der Schalttag gehörten keinem Wochentag an, sondern wären besondere Feiertage außerhalb des normalen Kalenders. Klingt großartig. Ein Nachteil wäre allerdings, dass Geburtstage immer auf denselben Wochentag fielen. Stell dir vor, du hättest bis ans Ende deiner Tage immer an einem Dienstag Geburtstag. Tagundnachtgleichen und Sonnenwenden lassen sich ohnehin nicht dauerhaft auf einen exakten Kalendertag festnageln. Ihre Schwankungen sind im gregorianischen Kalender aber bereits gering und blieben es auch im IFC, etwa ±1 Tag.

Tagundnachtgleichen und Sonnenwenden

Tagundnachtgleichen sind die beiden Zeitpunkte im Jahr, an denen Tag und Nacht ungefähr gleich lang sind. Sonnenwenden sind die Zeitpunkte, an denen die Sonne ihren höchsten beziehungsweise niedrigsten Stand am Himmel erreicht. Daraus ergeben sich der längste und der kürzeste Tag des Jahres.

  • Frühlings-Tagundnachtgleiche ~ 20.–21.März
  • Sommersonnenwende ~ 20.–21.Juni
  • Herbst-Tagundnachtgleiche ~ 22.–23.September
  • Wintersonnenwende ~ 21.–22.Dezember

Damit werden im astronomischen System die Jahreszeiten bestimmt. Die Meteorologie verwendet einfachere, feste Daten: 1. März für den Frühling, 1. Juni für den Sommer, 1. September für den Herbst und 1. Dezember für den Winter.

Eine lobende Erwähnung verdient auch der äthiopische Kalender. Er ist mit dem koptischen Kalender verwandt und geht auf die Kalendertraditionen des alten Ägypten zurück. Ähnlich wie der IFC besitzt er eine regelmäßigere Struktur.

Der äthiopische Kalender

Der äthiopische Kalender ist ganz anders aufgebaut als der gregorianische. Kurz zusammengefasst funktioniert er so:

  • Das Jahr hat 13 Monate.
  • Die ersten zwölf Monate haben jeweils genau 30 Tage.
  • Der 13. Monat, Pagume,hat fünf Tage, in Schaltjahren sechs.
  • Alle vier Jahre gibt es ein Schaltjahr.

Damit ist der äthiopische Kalender regelmäßiger als der gregorianische, hat aber nicht die 13 vollkommen gleich langen Monate des IFC. Auch die Wochentage verschieben sich weiterhin. Außerdem verwendet er eine andere Jahreszählung und liegt daher, je nach Datum, sieben oder acht Jahre hinter dem gregorianischen Kalender.

Leider lässt sich der IFC nicht besonders gut mit den Mondzyklen von ungefähr 29,53 Tagen vereinbaren. Tatsächlich gibt es aber in keinem Kalendersystem eine wirklich elegante Lösung dafür. Also lassen wir das. Aus dieser Schwierigkeit sollen allerdings einige interessante Vorstellungen entstanden sein, etwa jene rund um die Rauhnächte, die in Österreich, Deutschland und der Schweiz verbreitet sind.

Rauhnächte

Wenn wir die Tage des Sonnenjahres durch die Länge eines Mondzyklus teilen, erhalten wir 365,2422 / 29,53 = 12,3685. Der Mond durchläuft seinen Zyklus pro Jahr also zwölfmal und ein bisschen mehr. Dieser Rest entspricht 0,3685 × 29,53 ≈ 10,88 Tagen, also ungefähr elf Tagen. Zählt man die Nächte an beiden Enden mit, kommt man auf zwölf Nächte. Im österreichischen und mitteleuropäischen Volksglauben werden die Rauhnächte, die zwölf geheimnisvollen Nächte zwischen dem 24. Dezember und dem 6. Jänner, oft als eine Art Ausgleich dieser Lücke erklärt. Der Überlieferung zufolge ziehen in dieser Zeit Geister unter uns umher.

Der Mond zeigt sich also nicht besonders kooperativ. Abgesehen davon würde uns der IFC aber ein regelmäßiges, vorhersehbares System geben. Alles ließe sich leichter planen und nachverfolgen. Warum verwenden wir es dann nicht?

Das größte Problem liegt darin, dass die zusätzlichen Tage außerhalb der normalen Woche den ununterbrochenen Siebentage-Rhythmus unterbrechen würden. Für Religionen, die auf einem durchgehenden Wochenzyklus bestehen, ist das ein Ausschlussgrund. Das betrifft vor allem Judentum, Christentum und Islam: Sabbat, Sonntagsgottesdienst und Freitagsgebet. Der Widerstand entsteht also nicht unbedingt, weil das System schlecht wäre, sondern weil es überlieferten Regeln widerspricht, die als unantastbar gelten. Anders gesagt: Man stellt sich absichtlich blöd an. Natürlich müssten außerdem sämtliche Verträge, Finanzsysteme und Zeitpläne angepasst werden, und alle Menschen müssten ein völlig neues System lernen. Worüber sich natürlich jeder riesig freuen würde. Kurz gesagt: Veränderungen sind schwierig, und religiöse Fanatiker würden dich verfolgen, wenn du es versuchst. Aber träumen darf man ja. Stellen wir uns also vor, wie ein idealer Kalender aussehen könnte ...

Du wachst am 1. März auf, noch ein wenig verkatert von der großartigen 24-stündigen Feier des Jahrestages am Vortag, und freust dich darüber, dass das neue Jahr genau dann beginnt, wenn die Welt wieder zum Leben erwacht. Du trinkst deinen ersten Kaffee und genießt für einen Augenblick die Freiheit von religiös aufgezwungenen Beschränkungen. An der Wand hängt dein Kalender mit 13 Monaten zu jeweils exakt 28 Tagen, ganz wie die Götter es vorgesehen haben. Eine Freundin ruft an und fragt, ob du sie dieses Jahr an ihrem Geburtstag treffen kannst. Du weißt die Antwort sofort, ohne nachzuschauen, denn ihr Geburtstag fällt immer auf einen Samstag. Wenige Wochen später kommt die Frühlings-Tagundnachtgleiche, genau dort, wo man sie erwarten würde: kurz nach Jahresbeginn, statt irgendwo in einem System versteckt zu liegen, das sie kaum wahrnimmt. Und der Mond? Der darf geheimnisvoll bleiben, weil er sich ohnehin in kein System perfekt einordnen lässt. Das ist doch besser so. Das ist der Kalender, den wir verdienen.

Quellen

  • Doggett, L. E. „Calendars.“ In Explanatory Supplement to the Astronomical Almanac, herausgegeben von P. Kenneth Seidelmann. University Science Books. Online wiedergegeben vom Goddard Space Flight Center der NASA.
  • Richardson, J. Henry. „Calendar Reform.“ International Labour Review 16, Nr. 2 (1927): 233–244.
  • Storl, Wolf-Dieter. Die Magie der Sonnenwenden: Rituale und Pflanzenwissen – Bedeutung und Brauchtum rund um die Sonnenwenden. München: Gräfe und Unzer Verlag, 2024.